Das DSC-Schadstofflexikon

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Naphthalin

Gehört als 2-Ring-Aromat streng genommen nicht zu: Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (Abk.: PAK). Wird aber traditionell häufig den PAK zugeordnet.

Farblose, charakteristisch nach Mottenpulver riechende Blättchen, die mit Wasserdampf flüchtig sind. Naphthalin sublimiert leicht, die Dämpfe reizen Augen und Atemwege. In der Natur findet sich Naphthalin in einigen Erdölen. Naphthalin entsteht bei der trockenen Destillation der Steinkohle u. wandert in den Steinkohlenteer über, der bis zu 11 % Naphthalin enthält. Naphthalin ist weiterhin in Imprägnierölen, Anstrichmitteln auf Kohleteerbasis und Bitumenbasis, in Kraftstoffen, Erdgas und in Mineralölprodukten enthalten.

Verwendung:

Ausgangsmaterial für die Herstellung von Decalin, Tetralin, Chlornaphthalinen, Naphtylaminen, Naphtholen und deren Sulfonsäuren, Naphthalincarbon- und Sulfonsäuren, Naphthochinonderivaten. Über die oben erwähnten Derivate ist Naphthalin jedoch noch immer einer der wichtigsten Ausgangsstoffe für Farbstoffe, Gerbstoffe, Insektizide und Pharmaka.

Mutagenität:                negativ

Karzinogenität:             keine Hinweise

Bestimmte Abbauprodukte gelten jedoch als mutationsauslösend und karzinogen (Diolepoxide).

Sonstiges:                    kann allergische Wirkungen auslösen

Unter günstigen Bedingungen kann Naphthalin in Boden und Grundwasser abgebaut werden.

Siehe auch:

Migrationsverhalten von PAK in Grundwasserleitern

Hinweise für die Anwendung von MNA bei sanierungsbedürftigen Grundwasserverunreinigungen durch PAK

 DNAPL in Boden und Grundwasser – Verhalten von LCKW und PAK-Ölen

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Nematizide

Untergruppe der Pflanzenschutzmittel.

Bezeichnung für chemische Mittel zur Bekämpfung pflanzenschädigender (phytopathogener) Nematoden (Würmer). Es werden überwiegend organische Verbindungen eingesetzt (Halogenierte Kohlenwasserstoffe, Carbamate, Organische Phosphorverbindungen, Thiadiazine).

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Nematoden (Fadenwürmer)

Von griech. nema – Gespinst abgeleitete Bezeichnung für eine sehr artenreiche auch viele Parasiten beherbergende Klasse des Tierstammes der Nemathelminthes (Schlauch- oder Rundwürmer).

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Nickel (Ni)

Reines Nickel ist ein silberglänzendes Metall, das sich, ähnlich wie Eisen, polieren, schmieden, schweißen, zu Blech walzen und zu Draht ziehen läßt. Auf der Erdoberfläche ist Nickel fast immer an Schwefel, Kieselsäure, Arsen oder Antimon gebunden. Wichtige Ni-Mineralien sind: Pentlandit, Garnierit und Nickelin.

Verwendung:

Der größte Teil der Nickelproduktion wird zur Stahlveredelung und für Nickelbasislegierungen verwendet. Große Nickel-Mengen verbrauchen die chemische Industrie und die Erdölindustrie für die heterogene Katalyse. In der präparativen Chemie wird Raney-Nickel als Katalysator für Hydrierungen verwendet. Nickel spielt in Form von nickelorganischen Verbindungen bei speziellen Polymerisationsprozessen eine große Rolle. Weiterhin wird es als Elektrodenmaterial und zur Herstellung von Nickel-Cadmium-Batterien verwendet. Auch zur Herstellung von Keramikstoffen wird Nickel eingesetzt.

Schadwirkung:

Anorganische wasserlösliche Verbindungen:

Mensch: Orale Aufnahme löslicher Ni-Salze ruft allergische Reaktionen hervor.

Tiere: Lösliche Ni-Verbindungen, z. B. Ni-Chlorid, wirken teratogen. Toxische Wirkungen von Ni-Salzen (5mg/l) an Ratten sind nachgewiesen.

Pflanzen: Bei den vorhandenen Konzentrationen sind Ni-Salze relativ ungiftig, da lösliches 2-wertiges Nickel schlecht aufgenommen wird.

Anorganische wasserunlösliche Verbindungen:

Epidemiologische Studien an Arbeitern von Ni-Raffinerien. ergaben erhöhtes Auftreten von Lungen – u. Nasenkrebs. Vermutlich wichtigste Krebserreger: a Ni3S2, bNiS, NiO. Die vorgenannten Verbindungen erweisen sich bei parenteraler Gabe an Versuchstieren als starke, lokale Krebserreger.

Organische lipidlösliche Verbindungen:

Wichtigste Verbindung ist Ni-tetracarbonyl, extrem toxisch. Bei exponierten Arbeitern sind Vergiftungen mit tödlichem Verlauf bekannt. Ni(CO)4 ist im Tierversuch krebserregend. An Ratten und Hamstern sind teratogene Wirkungen von Ni(CO)4 ebenfalls nachgewiesen.

Umweltverhalten:

Das Umweltverhalten von Ni hängt maßgeblich von der vorliegenden Ni-Verbindung ab. Pflanzen nehmen Nickel aus dem Boden auf. Die Menge ist dabei von den physikalischen (z.B. Bodenbeschaffenheit, -temperatur und –wassergehalt), chemischen (z.B. pH-Wert, Gehalt an organischen Stoffen, Redoxpotential) und biologischen (z.B. mikrobische Aktivität) Gegebenheiten abhängig. Grundsätzlich kann Ni bei niedrigen pH-Werten eher mobilisiert werden, so dass dann eine größere Gefahr für eine Grundwasserverunreinigung gegeben ist.

Sanierungsbedürftige Boden- und Grundwasserverunreinigungen sind bekannt und können hohe Aufwendungen erfordern.

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Nitrobenzol

Giftige, brennbare, stark lichtbrechende Flüssigkeit mit bittermandelartigem Geruch. Nicht anthropogene (siehe anthropogen) Quellen: nicht bekannt.

Verwendung:

Zur Herstellung von Anilin, m-Nitrochlorbenzol, m-Nitrobenzolsulfonsäure, m-Dinitrobenzol, p-Aminophenol. Für Farben u. Farbstoffe, Gummi, Pharmaka, Fotochemikalien, Celluloseacetat, Nitrophenol, Carbonsäuren, Nitrate, Nitrite. Lösungsmittel für Cellulose-Ether, Schmierölbestandteil, Bestandteil von Schuh- und Metallpolitur. Lösungsmittel in der TNT-Produktion. Korrosionsinhibitor, bes. für Titanwerkstoffe. Polymerisationsinhibitor.

Schadwirkung:

Im chronischen Experiment mit Ratten und Meerschweinchen führen Nitrobenzolkonzentrationen von 1,0 – 50 mg/kg über 9 – 14 Monate zu Verminderungen des Hämoglobingehaltes und der Erythrozytenzahl. Die Zahl der Leukozyten ist erhöht. 0,1 mg/kg sind ohne toxische Effekte. 0,1 mg/kg Nitrobenzol werden als immuntoxisch maximal unwirksame Konzentration betrachtet. Langzeitexposition gegenüber 50 mg/kg führt bei Ratten zu hämatologischen, morphologischen Veränderungen sowie zu Schädigungen von Niere und Leber.

Nitrobenzol ist teratogen suspekt. Bisher vorliegende Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig signifikant. Die mögliche Teratogenität ist vermutlich mit Störungen bzw. Aktivitätsveränderungen von Atmungsfermenten verbunden.

Nitrobenzol wird nach oraler, dermaler und inhalativer Aufnahme relativ schnell resorbiert und im Organismus verteilt. Bei Mäusen wird innerhalb von 12 – 24 h das Exkretionsmaximum nach oraler Applikation erreicht. 2 – 4 % der Ausscheidung erfolgt über die Galle. Nitrobenzol ist ein starkes Zell- und Blutgift und gehört zu den Methämoglobinbildnern (siehe Methämoglobinämie).

Akute und chronische Expositionen können in Abhängigkeit von der Expositionsdosis zu Schädigungen des ZNS, der Leber und Niere führen.

Umweltverhalten:

Wird insbesondere durch die relativ hohe Wasserlöslichkeit, die damit verbundene Mobilität und geringe Bio- bzw. Geoakkumulationstendenz sowie die hohe Flüchtigkeit charakterisiert. Die Verbindung ist von nur mittlerer Persistenz. Ihre Reaktivität steht im Zusammenhang mit der Nitrogruppe des Moleküls. Der mikrobiologische Abbau unter natürlichen Bedingungen führt u. a. zur Bildung von 4-Aminophenol, 4-Nitrophenol und Phenylhydroxylamin. Nitrobenzol ist durch eine hohe Toxizität für Wasserorganismen charakterisiert.

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Nitrofen

Gehört zu: Pflanzenschutzmittel, Untergruppe Herbizide.

Ein Vertreter der Phenolether, der unter Normalbedingungen ein kristalliner Feststoff ist. Notrofen wurde durch den Futtermittelskandal 2002 bekannt, bei dem das Herbizid in Futter- und Lebensmittel gelangte.

Nitrofen ist ein Kontakt- und Bodenherbizid. Es wurde gegen zweikeimblättrige Unkräuter in Getreide- und Gemüsekulturen eingesetzt. Mutagenität nach Ames-Test positiv. Verdacht auf teratogene und mutagene Wirkungen.

Nitrofen ist in der BRD nicht mehr zugelassen.

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Nitrosamine

Nitrosamine gehören ebenso wie Nitrosamide zur Gruppe der N-Nitrosoverbindungen. Sie treten als Flüssigkeiten oder kristalline Feststoffe auf.

Nitrosamine sind in den biotischen und abiotischen Strukturen von Hydro-, Pedo- und Atmosphäre nahezu ubiquitär. Ihre exogene Bildung in Umweltmedien und die endogene Bildung aus Nahrungsbestandteilen, Arzneistoffen, Pestizidrückständen u. a. ist nachweisbar. Die Bildung dieser Verbindungen kann u. a. erfolgen durch Umsetzung von sekundären Aminen mit einem nitrosierenden Agenz, durch Umsetzung von tertiären Aminen mit einem a-CH-Atom mit Nitrit in wässriger saurer Lösung oder durch Reaktion von Stoffen mit einer quaternären Ammoniumgruppe und Nitrit im sauren Milieu. Damit sind jedoch nicht alle Bildungsmöglichkeiten erfaßt. Katalysatoren der Nitrosaminbildung sind u. a. Halogenide, Pseudohalogenide, Formaldehyd, Alkohole, C-Nitrosophenole und C-Nitrosoaniline.

Schadwirkung:

Akute Intoxikationen führen insbesondere zu Inhibierung der Protein- und Nucleinsäuresynthese. Dreimonatige Applikation von 12 mg/kg von N-Nitrosodiethylamin führt bei Ratten zu Leberschäden (Läsionen). Nach 9 Monaten sterben alle Versuchstiere an Leberinsuffizienz. Im gleichen Experiment verursacht N-Nitrosodiphenylamin morphologische Veränderungen der Leber, Lunge und Niere.

Die angegebenen N-Nitrosamine sind in differenzierten Tierexperimenten karzinogen und zumindest im mikrobiologischen Kurzzeittest mutagen aktiv. Epidemiologische Studien zu Zusammenhängen zwischen N-Nitrosamin-Exposition und karzinogenem Risiko liegen nicht vor.

Bereits 0,1 mg N-Nitrosodimethylamin wirkt bei Mäusen karzinogen bei Dosierungen über 8 – 12 Wochen 3mal pro Woche. Für einige Nitrosamine ist die Plazentapassage nachgewiesen. Bei Applikation von 50 mg/kg N-Nitrosodimethylamin werden etwa 33 µg/g nach 2 h und 10 µg/g nach 24 h in den Feten bei Ratten analysiert. 200 mg/kg N-Nitrosodiethylamin wirken embryotoxisch.

Von den etwa 300 bisher getesteten Nitrosaminen bzw. Nitrosamiden sind etwa 90 % karzinogen. Die Karzinogenität wird durch eine ausgeprägte Organspezifität charakterisiert. Typische Lokalisation der Tumorinduktion sind Gehirn, Nervensystem, Mundhöhle, Speiseröhre, Magen-Darm-Trakt, Leber, Niere, Harnblase, Pankreas, Herz und Haut. N-Nitroso-Verbindungen sind karzinogen aktiv in 39 Tierspezies.

Umweltverhalten:

N-Nitroso-Verbindungen können sowohl exogen in Umweltmedien durch differenzierte Prozesse gebildet werden als auch endogen entstehen. Darüber hinaus werden herstellungs- und anwendungsbedingte Emissionen beschrieben. Insbesondere N-Nitrosodimethylamin, N- Nitrosodiethylamin und N-Nitrosodiphenylamin sind in biotischen und abiotischen Strukturen von Hydro-, Pedo- und Atomosphäre nachgewiesen. Eine nur geringfügige Biokonzentration ist zu erwarten. Im Grundwasser können Nitrosamine durch mikrobielle Aktivität aus Trinitrotoluol entstehen. Trotz der teilweise erheblichen Wasserlöslichkeit zeigen Nitrosamine eine relativ hohe Sorptionstendenz an Aktivkohle.

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no effect level

Ist definiert als die höchste Dosis eines Stoffes, die auch bei andauernder Aufnahme bei Lebewesen keine erkennbaren und messbaren Wirkungen (Schäden) hinterläßt. In der Toxikologie wird mit no effect level auch die höchstmögliche, tägliche Menge einer Substanz bezeichnet, die keine nachteiligen Wirkungen noch strukturelle Veränderungen auf die Versuchstiere ausübt. Tierversuche können nicht die für den Menschen tatsächliche Arbeitsplatz-Toxizität eines Stoffes widergeb en, daher wird ein Sicherheitsfaktor von 10 bis 1000 (meist 100) angelegt, um den Arbeitsplatz-ADI-Wert (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) für den Menschen für die betreffende Substanz zu ermitteln.

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Nonylphenol   

Hochviskose, klare, gelblich-klare Flüssigkeiten mit phenolischem Geruch.

Zusammenfassende Bezeichnung für phenolische Verbindungen mit einer unverzweigten oder auch verzweigten Seitenkette.

Verwendung:

Zischenprodukte für chemische Umsetzungen (z. B. mit Ethylenoxid), Markierungsstoff für steuerbegünstigtes Heizöl, als Komponente in Pestizidformulierungen.

Nonylphenole zählen zu den Stoffen mit hormonartigen Wirkungen (Endocrine Disrupting Chemicals). Derartige Stoffe greifen in die hormonelle Regulation von Mensch und Tier ein. Folgen dieser hormonellen Wirkungen können Geschlechtsumwandlungen sein (Verweiblichungen von Männchen und umgekehrt). Inwieweit sie dadurch eine potentielle Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen, ist derzeit Gegenstand einer weltweit geführten Diskussion und eine abschließende Bewertung der gesundheitsschädigenden Wirkungen liegt noch nicht vor. Nonylphenole wurden in deutlich erhöhten Konzentrationen in Abläufen von Kläranlagen und im Klärschlamm festgestellt.  

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Noxen

Von lat. noxa = Schaden abgeleitete allgemeine Bezeichnung für schädliche, meist krankheitserregende Ursachen. Im Körer können auch Arzneimittel als Noxen wirken.

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