Das DSC-Schadstofflexikon

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Quecksilber (Hg)

Flüssiges, sibrig glänzendes Metall. Quecksilber (Hg) ist das einzige bei Raumtemperatur flüssige Metall und weist schon bei geringen Temperaturen einen hohen Dampfdruck auf (1,6 mbar bei 20° C). Das technisch wichtigste Mineral ist Zinnober (HgS).

Verwendung:

Zur Befüllung von Barometern und Thermometern. Als Sperrflüssigkeit beim Auffangen von Gasen. Zu Hg-Diffusionspumpen, Manomnetern, Blutdruckmessern, Quecksilberdampflampen, Neonröhren, Gleichrichtern, Tropfelektorden. Kathodenmaterial der Chlor-Alkali-Elektrolyse nach dem Amalgamverfahren, als Katalysator in der chemischen Industrie, in der Metallurgie zur Trennung von Metallgemischen. Zur Arzneimittelherstellung, Herstellung von Fungiziden und antiseptischen Hg-Verbindungen und von Dentallegierungen (Amalgam). Zur Fertigung von Trockenbatterien sowie zur Erz- und Mineralienaufarbeitung (Gold). Neben diesen anthropogenen Quellen gibt es natürliche Spurenmengen in der Natur, die aus Vulkanismus und Verwitterung, sowie gasförmigem Entweichen aus Meeren, Flüssen, Gletschern entstehen.

Schadwirkung:

In den biotischen und abiotischen Strukturen der Umwelt kommt Hg sowohl elementar als auch in Form anorganischer und organischer Verbindungen vor. Emissionen in die Umwelt erfolgen vorzugsweise als elementares Hg (Quecksilberdampf), Quecksilber-(II)-chlorid sowie anderer Quecksilber-(II)- und Quecksilber-(I)-Verbindungen (z. B. Mono- und Dimethyl- sowie Phenylquecksilber). Während das elementare Hg nur extrem gering wasserlöslich ist, können anorganische und organische Hg-Substanzen erhebliche Wasserlöslichkeiten aufweisen.

Elementares Quecksilber:

Hg-Dämpfe zeigen im Gegensatz zum flüssigen Quecksilber stark toxische Wirkung. Durch Einatmung von Hg-Dämpfen oder Hg-enthaltenden Staub, durch Aufnahme größerer Mengen durch die Nahrung oder durch direkten Kontakt mit der Haut (beispielsweise Salben) treten akute Vergiftungen auf, die sich in Magen- und Darmkoliken, Schleimhautverätzungen und eventuellem Nierenversagen äußern können.

 

Organische Hg-Verbindungen:

Wirken bereits in geringen Mengen toxisch. Allgemein werden sie etwa als 10 bis 100mal toxischer als anorganische Quecksilberverbindungen eingestuft, wobei Monomethyl- und Dimethylquecksilber als durch besonders hohe Toxizität hervorzuheben sind. Veränderungen des peripheren Nervensystems zählen zu den auffälligsten Effekten chronischer Intoxikationen, Methylquecksilber ist zusätzlich mutagen aktiv und führt beim Menschen zu Chromosomen-Aberrationen und anormalen Chromosomenteilungen.

Anorganische Hg-Verbindungen:

Die Verbindungen des 2-werigen Hg sind grundsätzlich giftiger als die es 1-wertigen. Die Giftigkeit nimmt mit zunehmender Löslichkeit der Substanz zu, bleibt normalerweise jedoch unter der der organischen Hg-Verbindungen.

Umweltverhalten:

Aus den technischen Produkten erreicht das Hg über die Nahrungsketten die Stoffkreisläufe. Quecksilber besitzt ein hohes Geo- und Bioakkumulationspotential und wird dabei vor allem im Phyto- und Zooplankton aquatischer Systeme akkumuliert. Im Boden können mikrobielle Prozesse die Umwandlung von elementarem Hg in organische Hg-Verbindungen bewirken (sog. „Methylierung“), jedoch ist auch der umgekehrte Prozess möglich.

In der Umweltwirkung ist Hg vor allem durch die sog. Minamata-Krankheit bekannt geworden, die sich in der japanischen Minamata-Bucht etwa 1950 – 1960 ereignete. Dabei starben einige 100 Menschen an Hg-Vergiftung. Als Ursache war methylquecksilberhaltiges Abwasser aus einer Chemieanlage in die Minamatabucht gelangt und hatte dort über die Nahrungskette zu stark erhöhten Werten in Fischen, insbesondere Thunfischen, geführt. Durch den Fischverzehr gelangte das Methylquecksilber in den menschlichen Organismus. Die Krankheit äußerte sich in schweren Niereninsuffizienzen und Schäden des Abwehrsystems. Quecksilberverbindungen waren auch wesentliche Schadstoffe bei der im November 1986 erfolgten Brandkatastrophe bei dem Chemieunternehmen Sandoz in Basel (Verunreinigung des Rheins durch kontaminiertes Löschwasser, siehe auch Sandoz).

Sanierungsbedürftige Boden- und Grundwasserverunreinigungen sind bekannt und können Aufwendungen in Millionenhöhe erfordern. Die teuerste Quecksilber-Altlast der BRD ist der Schadenfall in Marktredwitz (Sanierung einer Chemiefabrik). Die Sanierungskosten lagen bei etwa 75 Mio. EURO.

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